Versuchstierzahlen 2009 in Deutschland
Erneuter Anstieg
Gegenüber 2008 ist die Zahl der Versuchstiere bundesweit um 3,5 Prozent - knapp 94 000 - im Jahr 2009 angestiegen.
2008 2 692 890 auf 2009 2 786 435
Grund für die Steigerung ist insbesondere der verstärkte Einsatz von transgenen Tieren - ein Zuwachs von 13 % - , die der Forschung einen vielversprechenden Erkenntnisgewinn zu bestimmten Krankheiten ermöglichen. Ein Trend, der sich auch in anderen europäischen Staaten seit mehreren Jahren abzeichnet. Zudem trägt der Ausbau des Forschungsstandorts Deutschland zur höheren Zahl der Versuchstiere bei.
Aus dem Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums.
Neben den offiziell erfassten Zahlen gibt es eine Dunkelziffer. Bereits bei Zucht und 'Vorratshaltung' werden 'überschüssige' Tiere getötet oder sterben schon vor dem eigentlichen Versuch bei Haltung und Transport. Versuchstiere werden üblicherweise nicht nach Bedarf gezüchtet, sondern im Überschuss, um jederzeit eine gewisse Anzahl von Tieren der einzelnen Arten, Alters- und Gewichtsklassen 'vorrätig' zu haben. Auch fehlen in der Statistik Tiere, die im Bereich der studentischen Ausbildung getötet werden ebenso wie Tiere, die der Erstellung gentechnisch veränderter Linien dienen. Die Zahl der Tiere, die nicht die gewünschte genetische Veränderung aufweisen, wird auf 90 – 99 % geschätzt. Diese Tiere werden getötet und tauchen nicht in den Statistiken auf. Im Jahr 2009 wurden 607.816 transgene Tiere in der Forschung verbraucht, etwa 70.000 mehr als im Vorjahr. In Tierversuchen verwendete wirbellose Tiere wie Schnecken, Insekten und Krebse werden überhaupt nicht gezählt.
Berlin, München, Göttingen, Hannover, Heidelberg, Tübingen und Düsseldorf sind die Tierversuchshochburgen Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer Recherche des bundesweiten Vereins Ärzte gegen Tierversuche.
Quelle: Aerzte gegen Tierversuche
http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/
Auch im vergangenen Jahr wurden die meisten Versuchstiere zur Erforschung von Erkrankungen von Menschen oder Tieren eingesetzt.
Es handelte sich bei über 87 Prozent um Nagetiere, darunter 1,88 Millionen Mäuse und 514 000 Ratten . 5,2 Prozent der Tiere waren Fische, 3,7 Prozent Vögel.
Bei den Kaninchen ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 59.208 Tiere gesunken. Die Zahl der Affen liegt mit 2.313 im Bereich der Vorjahre. Erstmals wurden im Berichtszeitraum keine Halbaffen eingesetzt. Menschenaffen wurden zuletzt im Jahr 1991 in Deutschland für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Die Zahl der Hunde sank um 13,9 Prozent auf 3.832. 793 Katzen und viele andere Tierarten wurden im Namen der Wissenschaft missbraucht.
Tierversuche zur Entwicklung von Waffen, Munition, Tabakerzeugnissen, Waschmitteln oder Kosmetika sind in Deutschland verboten.Quelle in Auszügen: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz - mehr unter http://www.bmelv.de/cln_163/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Tier/Tierschutz/Versuchstierzahlen.html
In diesem Zusammenhang ist besonders interessant, dass nur 21 % der Gesamtzahl (587.452 Tiere) für die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln eingesetzt wurden. In der Arzneimittelforschung ist in den letzten 25 Jahren ein Rückgang von ca. 4 Millionen Versuchstieren jährlich zu verzeichnen, weil gerade auf diesem Gebiet Alternativen zum Einsatz kommen. Das macht deutlich, dass durch eine verstärkte Förderung und ein konsequenter Ausbau von tierversuchsfreien Methoden die Zahl der Tierversuche deutlich sinken kann.
Meldungen über einen erhöhten Anstieg von Tierversuchen wurden gesondert aus Berlin, Hessen und Sachsen gemeldet.