Hindernisse bei der Forschung mit tierversuchsfreien Methoden
Werdegang verschiedener Alternativen
Ein Bericht von Brigitte Jenner
Was vor 20 oder auch noch vor 10 Jahren ein absolutes Dogma war, nämlich ohne Tierversuche kommt die biomedizinische Forschung nicht aus, ist durch viele alternative Testverfahren widerrufen worden.
Weshalb die Forschung immer noch zu wenig betrieben wird, liegt maßgeblich daran, dass die die Wissenschaftler zu wenig Interesse an dieser tierversuchsfreien Forschung haben.
Dafür gibt es verschiedene Gründe:
- Es gibt in der Ausbildung der Studenten kein Pflichtfach, welches eine Einweisung in alternative Methoden vorschreibt und damit das Forschungsinteresse weckt.
- Die Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden wird nicht ausreichend gefördert, d.h., dass an diese Forschung viel mehr Ansprüche gestellt werden, als an Tierversuchen. Gefördert wird nur, wenn anwendbare Ergebnisse deutlich zu erwarten sind. Anders ist es beim Tierversuch, hier reicht es aus, wenn der Forscher eine noch ungeklärte biomedizinische Frage beantwortet haben möchte.
- Dazu kommt, dass die Anerkennung von tierversuchsfreien Methoden jahrelang durch viele Prüfverfahren und gesetzliche Vorschriften erschwert wird.
Auch die Industrie hat wenig Interesse an tierversuchsfreier Forschung. Die Arbeitsplätze der Tierzüchter, der Tierpfleger und die enormen Einnahmen der Futtermittelindustrie sind gefährdet.
Dafür allerdings entstehen Arbeitsplätze in einem anderen Industriezweig, der Technologie.
Doch wenn nach alternativen Methoden geforscht wird, stellt sich oftmals heraus, dass diese wesentlich schnellere und bessere Ergebnisse als Tierversuche bringen.
Zudem sind sie auch meist wesentlich billiger.
Beispiele
Arzneimittelforschung
Allein in der Arzneimittelforschung ist ein enormer Rückgang von Versuchstieren in den letzten 20 Jahren zu verzeichnen.
Vor 25 Jahren wurden jährlich noch 4.8 Millionen Tiere für die Entwicklung und Prüfung von Medikamenten in Versuchen verbraucht -
jetzt sind es 600 000 pro Jahr.
Nicht, weil weniger geforscht wird – nein das Gegenteil ist der Fall – viele Tiere werden eingespart, weil im Vorfeld - also im
screening - tierversuchsfreie Methoden eingesetzt werden.
Für die Vermarktung der Arznei muß allerdings das Fertigprodukt lt. Arzneimittelprüfrichtlinien weiterhin auf Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch getestet werden.
Hier nur einige wenige Beispiele
Künstliche Haut
Noch vor 10 Jahren erschien es den Wissenschaftlern unmöglich eine künstliche Haut einschließlich funktionierenden Talgdrüsen herzustellen, jetzt hat eine Forschungsgruppe in Berlin eine solche Haut entwickelt und als einsatzfähig vorgestellt.
Monoklonale Antikörper
Die Gewinnung von moniklonalen Antikprpern war noch vor 20 Jahren ausschließlich in der Maus – Aszitismaus genannt – möglich. Ein äußerst schmerzhafter Eingriff. Inzwischen werden die Antikörper fast ausschließlich in technischen Kammern gewonnen.
Pyrogentest am Kaninchen
Anstelle von Kaninchen besteht die Möglichkeit, mit menschlichem Blut die Prüfung vorzunehmen, ob ein Stoff fiebererregend ist.
Wir sind der Überzeugung:
wenn eine Umverteilung der Forschungsgelder zu Gunden tierversuchsfreier Verfahren vorgenommen würde, wäre die Wissenschaft wesentlich weiter als bisher und die Versuchstierzahlen würden sinken, anstatt stetig zu steigen.
Wir fordern die Politik und Wissenschaft auf, nicht nur zu Reden, sondern auch zu Handeln!